Bei der Verbindung aus Spiritualität und Sexualität denken viele sofort an Tantra oder auch an Kundalini Yoga. Das ist naheliegend, doch geht es bei diesen Methoden primär um Energien und deren Hochleitung in den sogenannten Chakras und der Aspekt der Liebe bleibt weitgehend außen vor. Stellen Sie sich die Wirbelsäule vor, an der an bestimmten Stellen sieben Chakras – feinstoffliche Energiezentren – liegen. Die beiden unteren versorgen die Sexualität bzw. die Sexualorgane mit Energie. Spiritualität in Verbindung mit Sexualität bedeutet nun für viele, die Energie von unten nach oben in die höheren Chakras zu leiten. Das mag wünschenswert sein, aber wirklich erfolgreich und sinnvoll wird es erst, wenn auch Liebe dazukommt, also Spiritualität, Sexualität und Liebe verknüpft werden. Wer entsprechende Übungen mit einem Tantra-Partner bei einem Tantra-Kurs macht, mit dem ihn ansonsten also nichts verbindet, dem fehlt die Liebe als verbindendes Element.
Eigentlich ist das auch logisch, denn kann Spiritualität wirklich etwas sein, das durch Energie-Übungen erreichbar ist, indem man eben die sexuelle Energie von den tieferen zu den höheren Chakras leitet und das war es? Zum einen ist das gar nicht so einfach, denn wer viele Jahre lang seine Sexualität in den üblichen Bahnen und Mustern ausgelebt hat, der kann nicht von heute auf morgen durch ein paar Übungen Spiritualität erlangen. Möglich ist eine solche energetische Hochleitung schon, denn die oberen Chakras sind mit den unteren in spezieller Weise verbunden, doch wirklich nachhaltige Erfolge erfordern eine analoge emotionale Entwicklung und die Entwicklung von Liebe. An dieser Stelle kann man sich fragen, warum man dann überhaupt Tantra und Kundalini-Yoga machen sollte.
Zum einen, weil bei einer guten Schule und Lehrern es nicht nur beim rein energetischen Aspekt bleibt und auch etwas allgemeine Lebensphilosophie vermittelt wird. Und zum anderen, weil die Energie-Übungen die emotionalen Hindernisse und das Thema Liebe stimulieren und anstoßen werden. Die Übungen liefern also Anregungen, sich mit dem, was fehlt, auseinanderzusetzen, um so seine Sexualität wirklich und erlöst in Spiritualität zu verwandeln, d.h., auch innerlich, nicht nur energetisch. Und das schließt natürlich auch den Aspekt der Liebe ein. Auf diese Weise KANN Spiritualität, Sexualität und Liebe verbunden werden. Es ist eine Frage der Anwendung.