Mit dem Einsatz von Nachtsichtgeräten wollen deutsche Kinobetreiber dem Problem der Cam-Rips, der illegalen Abfilmung von Leinwänden Herr werden.
Der Einsatz von Nachtsichtgeräten war früher wohl vor allem Soldaten und Jägern vorbehalten. Während sich letztere damit des Nachts auf die Lauer legen, um arglosen Tieren aufzulauern, sind die grün gefärbten Bilder der Nachtsichtgeräte amerikanischer Soldaten dank der Kriegsberichterstattung aus dem Irak um die ganze Welt gegangen. Doch auch im zivilen Bereich werden die so genannten Restlichtverstärker zunehmend eingesetzt. Neben Sicherheitsfirmen und Automobilherstellern haben auch Kinobetreiber die Überwachungstechnik für sich entdeckt.
Warner Bros. drängt Kinobesitzer zum Einsatz von Nachtsichtgeräten
Jedes Jahr entgehen der Filmindustrie Millionen durch illegale Raubkopien. Neben professionellen Diebstählen von Original-Tonspuren, die mit den Bildern englischer Versionen synchronisiert werden, verbreiten sich vor allem Cam-Rips schnell über das Internet. Dabei handelt es sich um Abfilmungen der Leinwand mit einem Camcorder während einer Kinovorstellung. Auch wenn die Qualität solcher Aufnahmen bescheiden ist und man nicht selten Köpfe anderer Zuschauer im Bild hat und ihre Gespräche den Ton stören, der Schaden für die Filmindustrie ist groß genug, dass sie den Tätern den Kampf angesagt hat.
Der Filmverleiher Warner Bros. hat daher deutsche Kinobesitzer dazu aufgefordert, ihre Besucher mit Nachtsichtgeräten zu überwachen. Wenn der Einsatz der Überwachungstechnik bereits beim Kauf der Eintrittskarte angekündigt wird, ist dieses Vorgehen mit deutschem Recht vereinbar. Eine Aufzeichnung oder gar Speicherung der Beobachtungen erfolgt nicht und ist mit den herkömmlichen Nachtsichtgeräten, den so genannten Restlichtverstärkern auch gar nicht möglich. Kinobetreiber wie das Unternehmen „Cinemaxx“ vertrauen darauf, dass die herkömmlichen Kontrollen der Besucher ausreichend sind und setzen sich gegen den Druck der Verleiher zur Wehr. Die Führungsetage von „Cinestar“ hingegen sieht keinen Grund, auf den Einsatz der Überwachungstechnik zu verzichten. Als Abschreckungsmaßnahme werden die Geräte in den Kinosälen des Unternehmens eingesetzt. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll Warner Bros. unwilligen Kinobetreibern auch angedroht haben, keine Filme mehr zu liefern. Was waren das noch für ungestörte Zeiten, als man in den Siebzigern in seinem VW Bulli im Autokino saß…